03.02.2019, 01:13
Es hätte nicht so weh tun dürfen. Tat es aber. „Ich weiß nicht ob es gut ist, wenn du bei der Unterhaltung dabei bist, Elian.“
Elian nickte, langsam, noch ehe die Realisation so richtig zu ihm hindurch gesickert war, dass Rhys ihn gerade effektiv aus dem Raum, oder zumindest aus dem theoretischen Verhandlungsraum, geworfen hatte. Warum fühlte es sich so an, als hätte sich dauerhaft eine Tür zwischen ihnen geschlossen? Nichts hatte sich geändert! Sie waren immer noch beste Freunde. Er war immer noch auf Rhys‘ Seite. Und wenn Rhys ihn nicht dabei haben wollte, weil Elian Freds Nase gebrochen hatte, und seine Anwesenheit den anderen Mann vielleicht weiter aufregen würde, war das vermutlich eine weise Entscheidung!
Es fühlte sich an wie ein Fehler, klein beizugeben und diese Wahl einfach zu akzeptieren. Aber er tat es. Es ist letztlich seine Unterhaltung. Seine Affäre… so sonderbar es immer noch ist, mir eine Affäre zwischen zwei Männern vorzustellen. Ich würde nur stören. Würde er doch, oder? Es wäre einfach… unangemessen, wenn er mitkäme, richtig? Der Mann, von dem manche Lästerzungen immer noch munkelten, dass Rhys mit ihm Sodomie betriebe, und der Mann, mit dem er es wirklich tat, zusammen in einer Unterhaltung, bei der eine der Beziehungen effektiv beendet wurde. Nein, das ging wirklich nicht an, so wenig es Elian persönlich schmecken mochte. Rhys‘ Gefühle waren wichtiger als seine, insbesondere in diesem Moment. Und er hatte wirklich keinen Anspruch auf Gefühle. Er war nicht Teil dieser Gleichung. Er war der Störfaktor.
„Wenn du das für richtig hältst, sicher.“ Seine Kehle war sonderbar eng als er es sagte, aber er schaffte es gerade noch so, die Worte ohne ein Zittern in der Stimme heraus zu bringen. Wieso war er so emotional wegen dieser Sache? Reiß dich endlich zusammen, ist ja peinlich!
Er musste das hier überwinden. Sich darauf konzentrieren, dass es vielleicht etwas länger dauern würde als gehofft, aber dass Rhys und er sehr bald – in ein paar Monaten – auf demselben Schiff sein könnten. Alles wird gut. Er wird das richten. Er ist der klügste Mann den ich kenne. Ich muss ihm vertrauen, wie ich es immer getan habe, und alles wird genau so werden wie wir es uns wünschen.
Er konnte Männerschritte hören, die sich der Küchentür näherten. Rhys legte ihm eine Hand auf die Wange, und für einen winzigen, zerbrechlichen Moment noch waren sie ganz alleine. Elian lächelte Rhys zu, sah ihn so fest und ehrlich an wie er nur konnte. „Ich schwöre dir, dass dieser Tag niemals kommen wird. Bei allem was mir heilig ist: Bei meiner Familie, meinem Arztgelübde und meiner Ehre.“ Er meinte es. Und möge alles das zum Teufel gehen, sollte ich den Schwur jemals brechen.
In diesem Moment ging die Tür auf und schnitt Rhys‘ Chance auf eine Antwort ab. Elian sah Angus im Türrahmen und stand auf, löste sich von Rhys, auch wenn es fast körperlich weh tat. Göttin, womöglich hat Fred mich doch am Kopf erwischt. Ich sollte mich hinlegen.
„Der Arzt und mein Lieblingskunde. Seit wann benutzt ihr zwei den Hintereingang?“ Angus grinste, worüber, war Elian nicht so ganz klar, aber er konnte den Witz nicht finden. „Alles in Ordnung?“
„Alles Bestens.“ Elian drückte Rhys‘ Schulter leicht.
„Cynthia hat nach Ihnen gefragt, Doc.“
„Dann sollte ich nach ihr sehen. Hat sie Zeit?“
Angus nickte. Elian lächelte matt, drückte Rhys‘ Schulter im Vorbeigehen und machte sich auf den Weg in die Höhle der Löwinnen, ohne zu ahnen, dass er dem Schicksal gerade den Fehdehandschuh hingeworfen und Fortuna ihn nur zu gerne aufgehoben hatte.

